DIE GESCHICHTE EINES UNBELEHRBAREN                                                       Jänner 2011

Im zarten Alter von 14 Jahren habe bei meinem Vater die erste Zigarette (eine Austria 3 - kurz 3er) geschnorrt. Sein Kommentar dazu: „ Rauch nur eine, damit du dich ordentlich ansch…. kannst - dann wird dir die Lust auf das Rauchen schon vergehen!“Im Gegenteil – dies war der Beginn einer beispiellosen Schnorrer- und Raucherkarriere! Jeder wurde von mir angepumpt - egal ob Bekannte, Mitschüler oder Freunde des Handballvereines. Und noch schlimmer war, ich habe jeden Glimmstängel inhaliert, egal ob Filterzigaretten, jugoslawische Stinkstängel oder Zigarillos – nichts war mehr vor mir sicher. Ich dachte mir immer: Was soll schon das Gerede von wegen Lungenkrankheit oder Lungenkrebs? Mit mir sicher nicht, denn ICH betreibe ja schließlich regelmäßig Sport und merke nichts von schädlichen Auswirkungen. Meine Sportfreunde bezeichneten mich immer als so richtig zähen Hund der stundenlang rennen kann!

Nur mit den Jahren, da hat sich dann das Blatt schön langsam gewendet. Das Laufen wurde immer beschwerlicher und ich war sogar froh wenn ich während eines Spieles ausgetauscht wurde – denn schließlich war für mich Erholung zwischendurch schon notwendig. Später musste ich sogar beim Gehen immer wieder kleine „Päuschen“ einlegen und Stiegen steigen wurde richtig anstrengend für mich. Na ja und 1999 war es dann soweit, ich konsultierte meinen Arzt um gegen meine „Schnauferei“ was zu unternehmen. Der Arzt diagnostizierte Asthma und legte mir natürlich nahe mit dem Rauchen (bereits an die 40 Zigaretten pro Tag) aufzuhören. Brav wie ich war ließ ich mich sogar zu einem Kuraufenthalt am Ende der Welt, sprich in Hochegg (irgendwo zwischen NÖ und der Steiermark) überreden. Diese drei Wochen fristete ich bei einer 800 Kalorien-Diät und einem strikten Rauchverbot im gesamten Gelände des Kurheimes. Gott sei Dank konnte ich zu Hause meinen „Entzug“ von Essen und Rauchen mit großer Freude wieder nachholen.

Dies hatte natürlich zur Folge dass meine Atemprobleme bald wieder akut und in den weiteren Jahren immer schlimmer wurden. Ich habe mich sogar FREIWILLIG zu einigen Versuchen zum Rauchen aufhören aufgerafft. Aber weder Hypnos, „AllenCarr“-Kurse (samt Wiederholungen, Nikotinersatz, Kaugummi, die sündteuren Champix-Tabletten etc. konnten mich von meinem geliebten Glimmstängel befreien. Letztendlich mehrten sich meine Aufenthalte in den Lungenabteilungen der Linzer Spitäler. Leider waren sämtliche Aufforderungen der Ärzte, unbedingt mit dem Rauchen aufzuhören, vergebene Liebesmüh. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits mindestens einmal, zweimal pro Jahr Stammgast einer Lungenstation. Im Jahr 1995 wurde mir eine Niere entfernt, 1997 ein Stent gesetzt und sogar ein paar „alte“ Herzinfarkte festgestellt. Natürlich war bei jedem Gesundheitsproblem das Rauchen ein auslösender Faktor – laut Ärzte wohlgemerkt – denn ich glaubte noch immer nicht daran. Na ja, und bei der anschließenden Herz-Reha wurde mir so nebenbei mitgeteilt, sollte ich weiterhin am Nikotinmissbrauch festhalten, würde ich die Pension wohl kaum erleben.

Die Tatsache, dass meine Lungenfunktion nur mehr bei rund 40% gelegen ist, hat mich zum ersten Mal nachdenklich gemacht. Mit dem Wissen, alleine das Rauchen aufhören nicht zu schaffen, stellte ich im Herbst 2007 bei der OÖ GKK den Antrag auf eine stationäre Raucherentwöhnung. Da ich kurz vorher für vier Wochen auf Herz-Reha war, wurde mir der Antrag leider abgelehnt. Der Nikotinmissbrauch ging also unvermindert weiter - es waren bereits drei Packung am Tag. Auf meinen neuerlichen Antrag im Jahr 2008 bekam ich überhaupt keine Reaktion. Laut späterer Auskunft hatte die damalige Sachbearbeiterin den Antrag nicht bearbeitet (Bemerkung am Rande: die Sachbearbeiterin ist nicht mehr bei der OÖ GKK geschäftigt). Meine Beschwerden wurden immer schlimmer (ich konnte unter anderem nur mehr mit erhöhtem Kopfteil schlafen), so startete ich nochmals den Versuch in den Genuss der stationären Raucherentwöhnung zu gelangen. Siehe da, ich bekam die Einladung für ein Gespräch mit Herrn Dr. Schoberberger. Nach mehreren Urgenzen hatte ich die Genehmigung zur Raucherentwöhnung in der Tasche. Zwischenzeitlich bekam ich im August 2010 die Diagnose Lungenkrebs und mir wurde die ehestmögliche Entfernung der beiden oberen Lungensegmente und anschließende Chemotherapie empfohlen. Allerdings bestand auf Grund meiner ohnehin niedrigen Lungenfunktion die Gefahr, den Rest meiner Tage mit einer Sauerstoffflasche verbringen zu müssen.

Dank Herrn Bernhard Starzer-Eidenberger, seinem Team und vor allen mit Hilfe der Super-Gruppe (nicht nur Kollegen, sondern inzwischen dicke Freunde) bin ich jetzt zwar erst seit 3.12.2010 rauchfrei, aber felsenfest davon überzeugt, dass ich das auch bleiben werde.
Vielleicht besteht doch die Möglichkeit, dass sich meine Lungenfunktion in einem Umfang verbessert, dass eine OP nicht notwendigerweise eine externe Sauerstoffversorgung auf Lebenszeit nach sich zieht. Auch wenn das nicht möglich wäre, ist für mich wesentlich angenehmer, die verbleibende Zeit rauchfrei zu genießen und schenkt mir eventuell ein paar Monate/Jahre, um Versäumtes- soweit es geht – nachzuholen.
Wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt und aufgegeben wird nur ein Brief!


Eine Bitte hätte ich noch:
Warnt Eure Freunde und Bekannte, nicht so unbelehrbar zu sein, wie ich es bis zuletzt war! Denn NICHTrauchen lohnt sich!

Liebe Grüße
Herbert

Lieber Herbert!
Der NR-Stammtisch wünscht Dir weiterhin eine rauchfreie Zukunft.
Helmuth